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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

„Ich bin gerne Unternehmerin“

Dagmar Köhler-Repp — Biologin, Unternehmerin, Potsdamerin — produziert Tierimpfstoffe, die Nutztierkrankheiten punktgenau ins Visier nehmen. Eine Erfolgsgeschichte.

In Amerika ist sie ein Mythos: Die Garage als Ort, an dem eine Erfolgsgeschichte beginnt. Google und Apple wurden in kalifornischen Garagen gegründet, jene von Amazon stand im Bundesstaat Washington. Und unkonventionelle Geburtsorte großer Ideen gab und gibt es nicht nur jenseits des Atlantiks. Den ersten funktionsfähigen Computer baute der Berliner Konrad Zuse im elterlichen Wohnzimmer, sehr zum Leidwesen seiner Mutter. Die Mikrobiologin Dagmar Köhler-Repp hingegen genoss das Wohlwollen der Familie, als sie ihr Unternehmen im Jahre 2001 im Keller ihres Elternhauses gründete: Vater Bernd, von Beruf Tierarzt, ermunterte die Tochter, nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und die RIPAC-LABOR GmbH zu gründen.

Die Firma stellt bestandsspezifische Impfstoffe für Tiere her. Der Prozess dahinter: Ein Tierarzt schickt Proben aus einer von ihm betreuten Herde, im Labor wird der Krankheitserreger zunächst isoliert und identifiziert. Anschließend wird das Bakterium vermehrt, abgetötet und mit Zusatzstoffen zum fertigen Impfstoff verarbeitet. Dieser kann zielgenau eingesetzt werden, so wird der Antibiotikaeinsatz verringert und der Entwicklung multiresistenter Keime entgegengewirkt. Der Erreger wird zudem in der Stammsammlung archiviert. Bei minus 80 Grad lagert man aktuell gut 45.000 Isolate. Aus dem RIPAC-Labor kommen vor allem Vakzine für alle Arten von Nutztieren. Manchmal allerdings wird es allerdings exotisch: „Gelegentlich kommen auch Tierparks und Zoos auf uns zu. Und dann machen wir eben auch mal Impfstoffe für Robben oder Affen“, erklärt die Biologin.

Ein Bakterium zu identifizieren, klingt einfach, erfordert aber aufwändige und teure High Tech wie laserunterstütze Massenspektrometrie. „Wir sind nicht die einzigen Player am Markt für bestandsspezifische Impfstoffe, aber vor knapp 20 Jahren gab es noch keine Vorbilder, denen man auf diesem Gebiet hätte folgen können“, erinnert sich Dagmar Köhler-Repp an die Anfangsphase. Nach wenigen Jahren wurde der Potsdamer Keller zu eng: 2007 zog das Labor ins Innovationszentrum Golm um, wo heute über 30 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Tierärzte und Biologinnen, Agraringenieurinnen und Chemiker an den maßgeschneiderten Vakzinen arbeiten. „Das war ein toller Meilenstein für mich, hier im Science Park haben wir ein hervorragendes Netzwerk mit innovativen Biotech-StartUps, großen Forschungsinstituten, dem benachbarten Uni Campus und nicht zuletzt auch der IHK Potsdam.“

Der Erfolg des Unternehmens und vor allem der Unternehmerin brachten Dagmar Köhler-Repp nicht nur ein kontinuierliches Wachstum, sondern auch öffentliche Anerkennung ein: Ministerpräsident Dietmar Woidke persönlich überreichte im Jahr 2014 die Trophäe zur Auszeichnung als Brandenburgs Unternehmerin des Jahres und lobte sie in seiner Laudatio als Vorbild für die Brandenburgerinnen. Das relativiert Dagmar Köhler-Repp jedoch bescheiden in ihrer naturwissenschaftlich-sachlichen Art: „Als großes Vorbild sehe ich mich nicht unbedingt. Aber ich bin gerne Unternehmerin, das bedeutet für mich in erster Linie: Ich kann selber machen und entscheiden, bin nicht fremdbestimmt.“ Diese Freiheit könne gerade für Frauen sehr attraktiv sein: „Wenn man Kinder hat, ist man als Selbstständige natürlich viel flexibler als eine Angestellte.“ Das weiß sie aus eigener Erfahrung; neben der Arbeit als Unternehmerin entstand und wuchs ihre Familie: Mit Ehemann Alexander teilt sie die Betreuung und Erziehung der beiden Kinder wie die Geschäftsführung der nach wie vor wachsenden Firma. Dieser ist es nun schon zum zweiten Mal zu eng geworden in ihren Räumen. „Wir wollen so schnell wie möglich ein eigenes Gebäude errichten und beziehen — natürlich hier im Science Park.“